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Hunde lernen durch Erfolg

Wie jedem lernfähigen Lebewesen ist es auch dem Hund möglich, aus Erfolgen zu lernen. Das zeigt sich schon beim neugeborenen Welpen, wenn er instinktiv die mütterliche Zitze sucht. Nicht immer gelingt es ihm auf Anhieb, diese zu finden und daran zu saugen. Hat er es aber erst einmal geschafft, wird es ihm keine Probleme mehr bereiten. Das Beispiel macht deutlich, wie diese Art zu lernen funktioniert: Auf der Suche nach der Zitze der Mutter saugt ein Welpe manchmal irrtümlich am Ohr eines Geschwisters. Dies stillt zwar sein Saugbedürfnis – und ist daher mit Lustgefühlen verbunden. Letztlich befriedigt es aber nicht das eigentliche Ernährungsbedürf-nis des Welpen. Daher wird er es schnell wieder aufgeben und es anders versuchen, bis sich der gewünschte Erfolg einstellt: die Milch.

Auch die zweite Art zu lernen funktioniert: das Lernen durch Misserfolg. Angenommen, ein Hund gerät verse-hentlich unter die Hufe eines Pferdes. Er wird von da an zu diesen Tieren einen gehörigen Sicherheitsabstand halten. Das Beispiel zeigt, wie effektiv auch schlechte Erfahrungen zum Lernerfolg führen können. Allerdings ist diese Art zu lernen für Ihren Hund mit Unlustgefühlen, Angst oder Schmerzen verbunden. Daher sollten Sie Strafen nach Möglichkeit vermeiden. Denn eine Erziehung, die überwiegend über Strafe arbeitet, belastet den Hund psychisch stark. Das führt oft zu Problemverhalten wie Unsicherheit, Nervosität oder Aggressivität.

Was auch immer Sie ihrem Hund an folgsamem Verhalten beibringen möchten – bei Ihrer Erziehung sollten Sie stets darauf achten, ihm Erfolge zu bescheren. Denn diese sind für den Hund angenehm – schließlich befriedigen Erfolge jedes intelligente Lebewesen. Das aus Erfolgen Gelernte wird Ihr Hund gern wiederholen. Dadurch wird es ihm später in der Regel auch mühelos gelingen.

Richtig belohnen

Grundsätzlich ist Lernen durch Erfolg also der beste Weg. Doch eine erfolgsorientierte Erziehung schütteln die wenigsten Hundebesitzer aus dem Ärmel. Denn der Erfolg des Hundes in der Erziehung durch den Menschen ist zumeist eine Belohnung. Und richtiges Belohnen will gelernt sein. Vor allem bedeutet es: die Belohnung zum richtigen Zeitpunkt. Eine Belohnung muss immer direkt auf das gewünschte Verhalten hin erfolgen – nicht länger als drei Sekunden später. Nur so kann der Hund die gewünschte Handlung positiv mit der Belohnung verknüpfen. Folgt die Belohnung mit zu großer zeitlicher Verzögerung, verstärken Sie wahrscheinlich unabsichtlich eine unerwünschte Verhaltensweise. Das zeigt das folgende Beispiel: Ihr Hund läuft auf Ihr Rufen hin freudig auf Sie zu. In dem Moment, in dem Sie ihn loben, springt er an Ihnen hoch. Eigentlich wollten Sie ihn für sein Kommen belohnen. Doch tatsächlich belohnen Sie ihn außerdem noch für das Anspringen. Denn Ihr Hund bringt es automatisch mit Ihrem Lob in Verbindung. Ohne es zu wollen, verstärken Sie mit Ihrem Lob zur falschen Zeit also diese Unart.

Viele Hundebesitzer trainieren ihrem Hund auf diese Weise Unarten regelrecht an. Damit Ihnen das nicht passiert, müssen Sie also lernen, erwünschtes von unerwünschtem Verhalten zu unterscheiden und zu trennen – in dem Beispiel also das Kommen vom Anspringen. Auch wenn beide Verhaltensweisen oft einhergehen: Kommen und An-springen gehören nicht zusammen. Wenn Ihr Hund also nun freu-dig auf Sie zustürmt, können Sie sich hinhocken, um ein Anspringen zu vermeiden. Besser noch, Sie lassen den Hund nach dem Kommen zusätzlich „Sitz!” machen und belohnen ihn dann für sein gutes Verhalten. Wichtig ist es in dem Beispiel, dass Sie den Hund beim Loben unten halten, damit er das Lob auch wirklich auf sein Kommen beziehen kann.

Nicht nur mit „Leckerchen”

Entwickeln Sie beim Belohnen etwas Fantasie, um die Lernfreude Ihres Vierbeiners zu erhalten. Natürlich geht von der Futterbelohnung ein großer Reiz aus. Gerade zu Beginn der Erziehung, wenn der Hund die verschiedenen Kommandos lernen muss, ist das „Leckerchen” ein guter Verstärker. In manchen Situ-ationen reicht es aber auch, den jungen Hund mit hoher Stimme überschwänglich zu loben und ihn ein bisschen zu kraulen. Die Be-lohnung kann sich auch aus der Situation ergeben, die auf das er-wünschte Verhalten folgt. Wenn zum Beispiel ein Hund zum Anleinen „Sitz!” machen muss, wird er dies nach einigen Tagen von sich aus tun – in der freudigen Erwartung des folgenden Spaziergangs. Übungen, die viel Konzentration verlangen, sollten Sie unbedingt mit einem Spielchen belohnen. So kann Ihr Hund auch gleich die Anspannung körperlich abbauen.

Wichtig:
Streicheln und belohnen Sie Ihren Hund nicht ständig umsonst. Hunde, die Aufmerksamkeit und Belohnungen oft „geschenkt” bekommen, ohne etwas dafür tun zu müssen, verlieren den Anreiz, auf Belohnungen zu reagieren. Lassen Sie Ihren Hund also immer eine kleine Übung machen, wie zum Beispiel „Sitz!” oder „Platz!”, bevor es Streicheleinheiten, Lob oder Leckerli gibt .

Richtig disziplinieren

Wie gesagt sollten Sie mit Strafen sehr zurückhaltend sein. Doch ganz ohne werden Sie in der Hundeerziehung auch nicht auskommen. Sie werden sie brauchen, wenn Ihr Hund lernen soll, unerwünschte Verhaltensweisen zu unterlassen. Genau wie bei Belohnungen ist auch bei Strafreizen der richtige Zeitpunkt entscheidend. Die Strafe sollte während des Fehlverhaltens erfolgen, oder auch in letzter Sekunde davor, wenn die Missetat klar absehbar ist – auf jeden Fall nicht danach. Nur so kann der Hund die Strafe sinnvoll mit seinem Verhalten verknüpfen. Bestrafen Sie Ihren Hund erst nach seinem Vergehen, führt dies zu falschen Lernverknüpfungen. Wenn Sie beispielsweise einen angeknabberten Schuh erst später bemerken, soll-ten Sie sich wütendes Schimpfen verkneifen. Ihr Hund wird es nicht mehr mit seiner Untat in Verbindung bringen können. Vielmehr bezieht er Ihre wütende Stimmung auf sein zuletzt gezeigtes Verhalten. Das ist ungünstig, wenn er gerade friedlich im Körbchen lag, denn dafür wollten Sie ihn schließlich nicht bestrafen. Solche Missverständnisse – also unerwünschte Verknüpfungen – führen zwangsläufig zu falschen Lerneffekten und letztlich zu Vertrauensverlust.

Es hat sich als sehr sinnvoll erwiesen, wenn eine Strafe nicht erkennbar von Ihnen ausgeht. Erwischen Sie Ihren Hund etwa beim Ausbuddeln einer Gartenpflanze, erschrecken Sie ihn mit einer Ras-seldose oder Wasserpistole. Der Hund weiß dann nicht, dass Sie die Unannehmlichkeit hervorgerufen haben. Mit dem Schreckreiz verbindet er allein die unerwünschte Handlung. Bestrafen Sie Ihren Hund dagegen offen, führt dies leicht zu einer unerwünschten Verknüpfung: Dabei lernt der Hund, dass er Blumen besser nicht in Ihrer Anwesenheit ausgräbt. Ist er allein, wird er jedoch weiter munter buddeln. Den er-wünschten Lerneffekt erzielen Sie in so einem Fall also am ehesten durch heimliches Strafen.
Auf keinen Fall sollten Sie Ihren Hund durch Schläge bestrafen, ob mit der Hand, Leine oder sonstigen Gegenständen. Auch wenn Ihr Hund dadurch demütig wird und Beschwichtigungsverhalten zeigt – er wird so schnell zum Nervenbündel. Dazu kommt, dass Gewalt das Vertrauensverhältnis zu Ihrem Hund zerstört. In der Öffent-lichkeit haben Sie ihn dadurch am Ende nicht mehr sicher unter Kontrolle. Und das ist ein wichtiges Ziel Ihrer Erziehung.
Passen Sie die Strafe dem Wesen Ihres Hundes an. Manche Hunde reagieren allein auf drohende Worte. Bei dickfelligen Typen müssen Sie auch mal nach Hundesitte handgreiflich werden. Packen Sie Ihren Hund an der Schnauze, zwicken Sie ihn ins Fell oder drücken Sie ihn zu Boden. Direkter, strenger Blickkontakt ist auch eine wirkungsvolle Drohgeste zum Einschüchtern. Begleiten Sie dabei grundsätzlich jede Disziplinierung mit grollen-den Worten. So lernt der Hund, die Strafe mit einer bestimmten Stimmlage zu verknüpfen. Später reicht dann bei einem sensiblen Typ schon dieser Ton, um ihn zu korrigieren.
Sobald Ihr Hund auf den Strafreiz reagiert – indem er zum Beispiel Beschwichtigungsverhalten in Form aktiver oder passiver Unterwerfung zeigt sollten Sie umgehend mit der Bestrafung aufhören. Am besten machen Sie sofort eine Übung, für die Sie den Hund wieder belohnen können. Und seien Sie auf keinen Fall nachtragend – Hundemütter sind es auch nicht.

Lernvorgänge festigen

Damit Ihr Hund sich langfristig so verhält, wie Sie es wünschen, reicht ein einziger Erziehungsdurchgang nicht. Sie müssen die Übungen mit ihm wiederholen. Die wiederholte Verknüpfung eines Verhaltens mit einer be-stimmten Belohnung oder Strafe wird als Konditionierung be-zeichnet. Ihr Hund lernt dabei, das erwünschte Verhalten mit etwas Angenehmem oder Unangenehmem zu verbinden. Nach einiger Zeit wird er gewünschtes Verhalten auch dann wiederho-len, wenn die Belohnung öfter mal wegfällt. Ganz wegfallen las-sen sollten Sie sie aber nie. Denn mit einer gelegentlichen Beloh-nung wird Ihr Hund leichter und freudiger auf Ihre Kommandos reagieren. Und das ist für beide Seiten angenehmer.

Für den Lernprozess bringt es allerdings nicht viel, die immer-gleiche Übung direkt hintereinander zu wiederholen. Denn dann verliert der Hund die Lernfreude. Sinnvoller ist es, sie im Alltag regelmäßig, am besten mehrmals am Tag, zu wiederholen. Damit werden Sie sicher Erfolg ha-ben. Nach einiger Zeit wird Ihr Hund auf einen bestimmten Reiz automatisch eine bestimmte Reaktion zeigen: das von Ihnen gewünschte Verhalten.
Damit die Erziehung Ihres Hundes langfristig fruchtet und beiden Partnern – Mensch und Hund – dauerhaft Freude macht, sollten Sie die folgenden Grundregeln verinnerlichen:
Gezielte Übungen sollte zu Beginn der Erziehung nur die Person durchführen, die die meiste Zeit mit dem Hund verbringt. Auch der Besuch der Hundeschule lässt sich nicht delegieren. Sind die Kommandos aber erst einmal gelernt, können auch weitere (erwachsene oder jugendliche) Mitglieder Ihres Haushalts mit dem Hund üben.
Wenn Sie Ihrem Hund etwas beibringen möchten, sollte Ihre Grundstimmung positiv und ausgeglichen sein. Verlieren Sie beim Üben nie die Ruhe und Geduld. Hektik und Stress verhindern ein positives Lernen. Unter Umständen missversteht Ihr Hund Sie und es kommt zu ungewollten Lernverknüpfungen.
Ihr Hund sollte für die Übungen aufnahmebereit sein – also weder müde noch zu aufgedreht. Das Umfeld sollte ruhig sein. Besonders zu Beginn der Erziehung und gerade in der Pupertätsphase sollte der Hund beim Üben nicht zu vielen ablenkenden Reizen ausgesetzt sein.
Vergessen Sie nie, Ihren Hund zu belohnen, wenn er etwas richtig gemacht hat. Beenden Sie die Übungen immer positiv, also mit einer erfolgreichen Übung inklusive anschließender Belohnung.
Richten Sie sich in Lernzeit und -menge nach der Persönlichkeit und dem Alter Ihres Hundes. Wenn Ihr Hund noch ein Welpe ist, legen Sie kurze Übungseinheiten von ein paar Minuten ein. Lange Übungszeiten über-fordern junge Hunde und verderben ihnen so die Freude am Lernen. Auch einem erwachsenen Hund sollten Sie zwischen den einzelnen Übungen genügend Pausen gönnen, die durchaus genauso lange wie die Übung selbst dauern können. Dann ist auch bis zu einer halben Stunde Training problemlos drin.
Achten Sie auf Signale, die anzeigen, wenn es Ihrem Hund zu anstrengend wird . Beenden Sie dann die Übungen, um ihn nicht zu überfordern.

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